Braunschweiger Zeitung vom 07.04.2008
Hospizverein feiert Jubiläum mit Gottesdienst. Hospizhaus bleibt auf Spenden angewiesen – Ehrenamtliche Mitarbeiter werden gesucht.
Zufriedene Gesichter nach dem Festgottesdienst in St. Martini (von links): Propst Thomas Hofer, Friedhelm Meiners, Landespfarrer Lothar Stempin, Bürgermeisterin Friederike Harlfinger, Hospizleiter Michael Knobel und dessen Stellvertreterin, Karin Kalsen.
„In dir ist Freude in allem Leide“ sangen vielstimmig die Besucher in St. Martini, wo Samstagnachmittag aus Anlass des einjährigen Bestehens des Hospizhauses Braunschweig ein ökumenischer Festgottesdienst stattfand.
Das Hospizhaus an der Broitzemer Straße ist ein Hort der Abschiednahme in Würde. „In dir ist Freude in allem Leide“: Für manche der unheilbar kranken Menschen, die in diesem Haus aufgenommen werden, geschehe das Wunder, dass sie sich noch einmal gegen die Geschwister des Diabolos, gegen Krankheit und Tod, aufrichteten. Ihr Leben werde noch einige Zeit verlängert. „Sie spüren noch einmal die Blüte des Lebens gemeinsam mit ihren Angehörigen“, sagte Lothar Stempin, Landespfarrer für Diakonie, in seiner Predigt.
Hospizarbeit fülle nicht nur eine Lücke in unserem Gesundheitswesen, sondern stelle sich „gegen der Trend der maßlosen Moderne, der die Lebensgrundlagen zerstört wie der Krebs den Körper“. Hier, im Hospiz, erführen die Menschen das Erbarmen als Erfahrung des Lebens. Stempin: „Wir spüren, dass der Heilige unter uns ist. Er treibt uns dazu an, dass wir uns dem Anderen zuwenden, ihm die stützende Hand unter der Wucht des Unheils reichen.“
Im Hospizhaus mit seinen zwölf Einzelzimmern hätten in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 100 Menschen im Alter zwischen 20 und 96 Jahren „eine Herberge“ gefunden, sagte der Leiter dieser Einrichtung, Michael Knobel, in seiner Begrüßungsansprache. Die Arbeit, die die Mitarbeiter – derzeit sind es 19 examinierte Pflegekräfte in Teilzeit und 25 ehrenamtliche Betreuer – verrichteten, sei „schwer und belastend, aber auch kostbar“.
Landespfarrer Stempin, die Pröpste Reinhard Heine und Thomas Hofer sowie Martina Nowak-Rohlfing vom Verein „Hospizarbeit Braunschweig“ segneten die ehrenamtlich Tätigen, die in Seminaren über einen Zeitraum von neun Monaten geschult worden waren, und dankten ihnen für „die Kraft der Aufmerksamkeit“, die sie den Sterbenden entgegen brächten.
Bürgermeisterin Friedrike Harlfinger erinnerte in ihrem Grußwort an die enge Zusammenarbeit zwischen dem Verein Hospizarbeit, dem Diakonischen Werk der Evangelischen Landeskirche und der Richard-Borek-Stiftung, durch die es gelungen sei, den Hospizgedanken zu den Menschen zu tragen. Die Betriebskosten reichten jedoch nicht, um diese Arbeit zu erfüllen, sodass jährlich bis zu 150 000 Euro durch Drittmittel und Spenden eingeworben werden müssten.
Leserinnen und Leser der Braunschweiger Zeitung hatten, wie berichtet, in der Aktion „Leser helfen“ mehr als 250 000 Euro für diesen Zweck gespendet. Wer ehrenamtlicher Mitarbeiter werden möchte, kann sich unter der Rufnummer 164 77 oder per E-Mail unter hospizarbeitbs@arcor.de melden.
Text und Foto von Rainer Heusing

