Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

„Wann wird’s mal wieder richtig Sommer? Ein Sommer wie es früher einmal war…

Kennen Sie auch noch das Lied, dass Rudi Carrell im Sommer 1975 zum Besten gab? Mir ist der Text noch sehr geläufig und auch nach 42 Jahren ist der Text so aktuell wie nie!

Sommer … das heißt für mich laue Abende, Sonnenschein am Tag, angenehme Temperaturen und am besten Flip Flops an den Füßen. In diesem Jahr ist das leider etwas anders; jede Grillparty wird zum Risiko, die Freibäder bleiben leer, viel Regen und nach Möglichkeit immer ein gutes Antimückenmittel in der Tasche! Natürlich ist das Wetter auch hier im Hospiz ein tägliches Thema. Erst gestern hat eine Mitarbeiterin beim Frühstück folgendes gesagt: „Nun stellt euch mal vor, wir hätten alle für unsere Bikinifigur in den letzten Monaten gehungert? Welche Verschwendung wäre das gewesen, wo wir doch eh keinen Bikini in diesem Sommer tagen können!“ Wir fingen alle herzhaft an zu lachen und schon war das schlechte Wetter um uns herum nicht mehr ganz so schlimm!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen noch einen schönen Restsommer

Ihre Petra Gottsand

Vorgestellt

Frank Weber

Darf ich mich vorstellen?

Mein Name ist Frank Weber und ich bin seit 1. April 2017 als ehrenamtlicher Mitarbeiter im Hospiz Am Hohen Tore Braunschweig tätig.

Diese, für mich sehr bereichernde Tätigkeit zeigt mir immer wieder, wie kostbar jeder Moment des Lebens sein kann. Das hat mich gelehrt, achtsam mit mir, meinen Mitmenschen und der Lebenszeit zu sein. Was man sich darunter vorstellen kann? Ich kann mich auch an scheinbar nebensächlichen Dingen erfreuen wie ein Kind. Die Wärme der Sonne, eine kleine aufmerksame Geste oder auch ein liebevoll zubereitetes Essen sind Dinge, die meinem Leben gut tun. Auch das Gemeinschaftsgefühl hier unter den Ehren- und Hauptamtlichen empfinde ich als sehr herzlich und wertschätzend.

Ich habe 2 erwachsene Töchter und bin gelernter Bankkaufmann. Und jetzt selbstständiger Unternehmer. Zusätzlich bin ich seit längerem als ehrenamtlicher Mitarbeiter bei der Telefonseelsorge dabei.

Spende über 1.000 Euro

Spende

So kam die Spende zustande
Wir [Siemens AG Braunschweig] haben Ende Mai von der Braunschweiger Zeitung den „Rückenwind“-Preis für unser Engagement im Rahmen unserer sozialen Projekte in Braunschweig erhalten. Der Preis war mit 1.000,– Euro dotiert. Dieses Geld wollten wir gerne weitergeben und haben die Mitarbeiter, die sich in den letzten Jahren in den sozialen Projekten engagiert haben, abstimmen lassen an wen das Geld gehen soll. Dabei haben sich sowohl die Bahnhofsmission als auch das Hospiz Am Hohen Tore Braunschweig als Favoriten für die Spende herauskristallisiert. Unsere Betriebsleitung hat den Betrag daraufhin verdoppelt, so dass wir nun beiden Einrichtungen jeweils 1.000,– Euro spenden konnten.

Text: Thorsten Sponholz, Sprecher der Betriebsleitung von Siemens

Adventliche Konzerte im Hospiz

Am 1. Advent, Sonntag den 03.12.2017 möchten wir Sie mit der Gitarrengruppe „Vielsaitig“ auf die besinnliche Jahreszeit einstimmen. Beginn: 16.00 Uhr.

Am 2. Advent, Sonntag den 10.12.2017 verzaubert uns mit einem musikalischen Nachmittag Matthias Könniger mit seiner Musik. Beginn 16.00 Uhr.

Am 3. Advent, Sonntag den 17.12.2017 haben wir den Petri-Chor bei uns zu Gast. Beginn 16.00 Uhr.

Der 4. Advent ist in diesem Jahr der Heilige Abend. Wir feiern um 14.30 Uhr gemeinsam mit Pastor Friedhelm Meiners unseren Heiligabend Gottesdienst.

Im Anschluss an die Konzerte besteht die Möglichkeit, bei einer Tasse Tee oder Kaffee und Gebäck noch im Hospiz zu verweilen.

Es werden keine Eintrittsgelder erhoben, über eine kleine Spende freuen wir uns aber sehr.

Wir laden Sie sehr herzlich ein, ab dem 1. Advent wieder den Adventsbasar der HospizFreunde im Hospiz zu besuchen. Viele wunderbare Köstlichkeiten, Geschenke und Ideen warten darauf von Ihnen gekauft zu werden. Der Basar ist die gesamte Adventszeit über geöffnet.

Welthospiztag am 14. Oktober

Der Welthospiztag 2017 findet am 14. Oktober unter dem Motto „Für eine bedarfsgerechte Hospizund Palliativversorgung“ statt.

Damit schlägt der Dachverband der Hos piz bewegung in Deutschland (DHPV) auch 2017 eine Brücke zum internationalen Motto, das in diesem Jahr „Wir lassen niemanden, der leidet zurück und allein“ lautet. Jeder Mensch soll, wenn notwendig und gewünscht, eine grundlegende Gesundheitsversorgung erhalten, und das schließt Hospiz- und Palliativangebote ein. Die Hospizbewegung ruft dazu auf, sich – auch politisch – in die Diskussion einzubringen um sicherzustellen, dass Hospizidee und Palliative Care auf diesem Weg mitgenommen werden. Auch in unserer Region werden rund um den 14. Oktober verschieden Veranstaltungen stattfinden.

Gedenkgottesdienst für die Unbedachten am 5. November

Am Sonntag, den 5. November findet um 17.00 Uhr in der Kirche St. Petri der ökumenische Gedenkgottesdienst für die Unbedachten in Braunschweig statt. „Unbedacht“ nennen wir Menschen, die ohne Trauerfeier oder ohne Be teiligung von Angehörigen oder Freunden beigesetzt werden. In Braunschweig waren dies in den vergangenen Jahren jeweils um die 150 Menschen. In dem Gottesdienst werden die Namen der Verstorbenen genannt und für jeden wird eine Kerze entzündet.

6. Internationale Sylter Palliativtage

In diesem Jahr bekamen Pflegekräfte des Hospiz Am Hohen Tore Braunschweig erneut die Möglichkeit an den Internationalen Sylter Palliativtagen vom 11. – 14. März 2017 teilzunehmen. Dieser Kongress richtet sich an Pflegekräfte und Ärzte. Vorträge und Workshops mit inte ressanten Themen wurden angeboten.

Das Interesse war riesengroß – 700 Teilnehmer aus dem deutsch sprachigen Raum besuchten die Fortbildung. Zwischen den einzelnen Vorträgen und Workshops hatte man Zeit, sich bei einer Tasse Kaffee auszutauschen. Auch die Industriemesse sorgte für neue Anregungen. Einige Themen möchten wir herausgreifen und kurz skizzieren:

Im März 2017 trat in Deutschland ein neues Gesetz in Kraft. Medizinisches Cannabis ist in Deutschland erstmalig verschreibungsfähig. Damit ist wohlmöglich eine neue Ära in der Schmerz- und Palliativmedizin eingeläutet. Prof. Dr. Sven Gottschling (Universitätsklinikum Saarland) berichtete fesselnd über seine guten Erfahrungen mit Cannabinoiden in der Medizin.

Ist unzureichende Palliativversorgung eine Körperverletzung? Körperverletzung kann entstehen durch aktives Tun oder auch durch Unterlassen einer Handlung in sowohl der ärztlichen Behandlung als auch der medizinischen Pflege. Frau Prof. Dr. jur. Ruth Rissing-van Saan (Bochum) zitierte aus Grundgesetz und Straf gesetzbuch und gab Beispiele aus aktueller und älterer Rechtsprechung, die uns zu denken gaben.

Ein Schwerpunkt des Vortrags bezog sich auf das HPG (Hospiz- und Palliativgesetz). In der Fassung von 2015 erhebt das Gesetz den Anspruch (Recht zur Einforderung) aller Patienten auf Teilhabe an den gesetzlich vorgesehenen Hilfen. „Hilfe für alle“, d. h. flächendeckend in allen Regionen Deutschlands, ist in der Realität aber noch schwierig umzusetzen. Eine Studie zeigt, dass formulierter Wunsch und Wirklichkeit (noch?) nicht deckungsgleich sind. „Eine Unter- oder Mangelversorgung und deshalb unnötiges Leiden eines Patienten kann zu einer möglichen Körperverletzung führen“. Und „eine nicht den tatsächlichen, d. h. individuellen Bedürfnissen angepasste Symptombehandlung kann zu einer möglichen Körperverletzung führen“.

Kunst des Abschieds: Volkskundlerin C. Cantauw (M. A., Münster) zeigte lebhaft auf, wie die Kunst des Abschiednehmens in den letzten 200 Jahren gesellschaftlichen Wandlungsprozessen unterlag.

„Trost kommt von Treue und Treue heißt da bleiben.“

Abschiede wurden bis weit in das 19. Jahrhundert hinein als tragisch empfunden, als räumliche Trennung erlebt, als Schicksal oder auch von Gott gewollt, deren zeitliche Auswirkungen nicht einschätzbar waren, ganz nach „partir, c’est mourir un peu“ (Alphonse Allais, frz.). Das war begründet in der hohen Sterblichkeitsrate, Berufe „auf der Walz“, Pest und Typhus, Hungersnot (z. B. 1816, das Jahr ohne Sommer) und einer eher geringen Mobilität. Deshalb wurde jeder Abschied zelebriert. Empathische Lieder und Gedichte entstanden, stellvertretend dafür steht auch das „Vergissmeinnicht“. Und heute? Räumliche Trennung ist nicht mehr so gefährdet wie früher. Zeit hat sich neu definiert. Das Telefon (vor 1900) hat die Echtzeit-Dialoge möglich gemacht. Dieses ist inzwischen verfeinert worden mit E-Mails, Skype, WhatsApp, Facebook und Twitter … man geht eben „niemals so ganz“ … wir reisen schneller, weiter und öfter. Reise ver kehrsmittel haben sich entwickelt und weiterentwickelt, sind immer buchbar. Angst vor Verlust hat nur einen kleinen Stellenwert.

Die Referentin erwähnt abschließend, dass Dinge, wie die Verschiebung vom WIR zum ICH, vom 19. Jahrhundert in den heutigen digitalen Alltag, vom Abschiedsgedicht zum schnellen Händedruck nicht in Einklang zu bringen sind. Muss ja auch nicht. Das gehört zur kulturhistorischen Entwicklung. Frau Cantauw gibt aber zu bedenken, dass dieses am Ende des Lebens problematisch werden kann, „wenn sich andere Zeit- und Raumerfahrungen nach vorne drängen“ und Sterbende bemerken, dass ihre Umgebung unsicher ist im Umgang mit ihnen.

In der Freizeit hatten wir die Möglichkeit, Sylt ein wenig zu erkunden. Wir unternahmen Spaziergänge am Strand, erwanderten ein Kliff, besichtigten Dörfer und Kirchen. Das Wetter war hervorragend und auch die Kulinarik kam nicht zu kurz. Nachmittags Sylter Torte, abends rundeten diverse Meeres- und Gaumenfreuden die Tage ab. Alle Erwartungen an diesen Kongress wurden erfüllt und bei allem was wir erfuhren, stand der Mensch und seine Lebensqualität in der letzten Lebensphase im Mittelpunkt.

Ein Satz aus dem Vortrag von Dr. med. Lars Garten (Charité/Berlin) wird uns lange im Gedächtnis bleiben: „Trost kommt von Treue und Treue heißt dableiben“.

Text: Text: Bettina Kohlrausch, Christiane Schulz-Pillgram

Zu Gast bei Dr. Carola Reimann

Im Reichstag Berlin

Im Reichstag Berlin

Am 26. April dieses Jahres hat das Trauercafé unseres Hauses eine Einladung von Dr. Carola Reimann MDB zu einer eintägigen Fahrt in den Bundestag nach Berlin erleben dürfen.

Gemeinsam mit den Trauerbegleiterinnen waren viele Interessenten aus der aktuellen Trauerarbeit des Hospizes sehr gerne mitgekommen. Mit dem Zug fuhren alle Teilnehmenden zusammen mit Frau Susanne Hahn als Begleitperson/SPD und politischer Guide vor Ort in die Hauptstadt und fast direkt vor den Reichstag. Die Gruppe erfuhr sehr viel Interessantes über das politische Leben unserer Regierungsarbeit und den Standort Berlin mit seinen imposanten Gebäuden um den Reichstag herum.

Einen kleinen Spaziergang durch das Brandenburger Tor und die Allee Unter den Linden entlang fanden die meisten sehr aufregend. Danach stärkte sich die Gruppe in einer Berliner Kneipe und genoss Köstlichkeiten von Käsekuchen bis zur typischen Berliner Currywurst.

Im Reichstag Berlin

Für alle war dies ein gemeinschaftsbildender Moment. Nach ergiebiger Körperkontrolle war der Reichstag, die politische Plattform und eine persönliche Stunde mit Frau Dr. Reimann vorgesehen. An dieser Stelle möchten wir Frau Dr. Reimann herzlich für ihre Offenheit danken, mit der sie die zahlreichen Fragen aus der Gruppe unermüdlich beantwortete.

Anschließend waren wir zu einem Polit-Menü ins Paul-Ehrlich-Haus eingeladen. Zuletzt gab es eine ausführliche Führung im Reichstag durch eine Mit arbeiterin des Hauses, welche wirklich sehr interessant für alle war.

Müde und die Köpfe voller Eindrücke traten alle miteinander den Rückweg nach Braunschweig an. Nochmals herzlichen Dank an die SPD für diesen erlebnisreichen Tag!

Text: Angelika Augustin

Wenn keiner ans Grab kommt – Bestattungen ohne Angehörige

Bestattungen

An einem Mittwochmorgen kurz vor 9.00 Uhr am West flügel der Hauptkapelle des evangelischen Haupt friedhofs treffen sich ein Friedhofsmitarbeiter, eine Pfarrerin und zwei ehrenamtliche Mit arbeiter/innen der Hospizarbeit Braunschweig. Der Begräbnis leiter führt die Menschen zu einem Grabfeld, auf dem fünf Löcher für fünf Urnen aus gehoben sind. Diese fünf Menschen werden ohne Beisein von Angehö ri gen bestattet.

Es kann vielfältige Gründe haben, warum niemand an einer Beerdigung eines Menschen teilnimmt. In Braunschweig geschieht dies um die 150 mal im Jahr. So viele Menschen wurden in den vergangenen Jah ren beim Gottesdienst für die Unbedachten in der Kirche St. Petri „beim Namen gerufen“ und in ein Buch eingetragen. Dieser Gottesdienst findet in diesem Jahr am Sonntag, den 5. November um 17.00 Uhr in der Kirche St. Petri in der Langen Straße in Braunschweig statt.

Wird ein toter Mensch durch Polizei oder Feuerwehr aufgefunden oder jemand verstirbt im Krankenhaus oder Pflegeheim, ohne das Ange hörige bekannt sind, muss die zuständige Ordnungsbehörde, in Braun schweig ist dies das Gesundheitsamt, versuchen die Angehörigen zu ermitteln und diese zur Kostenübernahme zu bewegen. Das niedersächsische Bestat tungs gesetz enthält eine Bestattungspflicht und eine Reihenfolge der Angehörigen, die dazu verpflichtet sind, für die Bestattung zu sorgen und diese auch zu bezahlen. Wird kein Angehöriger ausfindig gemacht, übernimmt die Stadt die Beerdigung und die Kosten. Gibt es Angehörige, die aber selbst kein Geld für eine Beerdigung haben, müssen diese beim Sozialamt einen Antrag auf Unterstützung stellen.

Diese Bestattungen finden inzwischen in der Regel als Urnenbeisetzung auf dem Stadtfriedhof im Grabfeld 33 (in der Nähe der Feierhalle 3) statt. Manchmal kommen doch Angehörige, Freunde oder Nachbarn und sie sind meistens froh, dass einer unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen ein paar Worte spricht oder einen würdigen Rahmen für den Abschied mitgestaltet.

Seit 10 Jahren gibt es bei der Hospizarbeit Braunschweig die Begleitgruppe für Bestattungen ohne Angehörigen. Elf Ehrenamtliche begleiten die Be stattungen, die auf dem Stadtfriedhof oder dem evangelischen Hauptfriedhof jeweils statt finden.

Kontakt und weitere Informationen über Hospizarbeit Braunschweig, Tel.: 0531/ 1 64 77.